Die deutsche Autoindustrie in der Krise: sinkender Absatz und die Hoffnung Elektroauto
Weniger Verkäufe, Einbrüche in China und wachsende Konkurrenz: Die deutsche Autoindustrie steht 2026 unter Druck. Wir werfen einen Blick auf die Zahlen von VW, BMW und Mercedes und die Rolle der Elektromobilität.
Die Autoindustrie ist seit Jahrzehnten das Herzstück der deutschen Wirtschaft und ein Symbol für Ingenieurskunst und Wohlstand. Doch im Jahr 2026 gerät dieses Herzstück spürbar ins Stocken, und die einst so stolze Branche sieht sich mit Problemen konfrontiert, die immer schwerer zu ignorieren sind.
Sinkende Absätze, ein wegbrechender chinesischer Markt und eine neue, aggressive Konkurrenz setzen die großen Hersteller unter Druck. Gleichzeitig ruhen viele Hoffnungen auf dem Elektroauto. Wir haben die aktuellen Zahlen zusammengetragen und ordnen ein, wie ernst die Lage wirklich ist.
Sinkende Verkaufszahlen
Ein Blick auf die Auslieferungen des ersten Quartals 2026 zeigt eine deutliche Abwärtsbewegung bei allen großen Marken. BMW lieferte inklusive Mini und Rolls-Royce rund 565.748 Fahrzeuge aus, ein Minus von 3,5 Prozent. Der Volkswagen-Konzern kam auf etwa 2,05 Millionen Fahrzeuge und damit rund 4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Auch Mercedes-Benz musste Federn lassen und verkaufte im gleichen Zeitraum rund 499.700 Pkw und Transporter, was einem Rückgang von 6 Prozent entspricht. Besonders bitter ist, dass der weltweite Automarkt im ersten Halbjahr zwar um 2,8 Prozent schrumpfte, die deutschen Hersteller aber sogar schlechter abschnitten als der Marktdurchschnitt.
Das China-Problem
Der wohl schmerzhafteste Rückschlag ereignet sich auf dem einst so lukrativen chinesischen Markt. Bei BMW gingen die Verkäufe in China um 10 Prozent auf rund 144.000 Fahrzeuge zurück, während Mercedes mit einem dramatischen Einbruch von 27 Prozent auf etwa 111.600 Fahrzeuge zu kämpfen hatte.
Noch deutlicher fiel der Rückgang beim Volkswagen-Konzern aus, der in China fast 15 Prozent verlor und nur noch rund 548.700 Fahrzeuge auslieferte. Über Jahre hinweg war China der wichtigste Wachstumsmotor der deutschen Autobauer, weshalb diese Schwäche das Geschäftsmodell im Kern trifft und für große Nervosität sorgt.
Gemischte Signale bei der Elektromobilität

Ausgerechnet bei der Elektromobilität, die als Zukunft der Branche gilt, sind die Signale widersprüchlich. Bei BMW ging der Absatz reiner Elektroautos zuletzt um 20 Prozent auf rund 87.500 Fahrzeuge zurück, was zeigt, dass der Umstieg auf den Stromantrieb längst nicht so reibungslos verläuft wie erhofft.
Doch es gibt auch Grund zur Zuversicht, und der Blick nach vorne fällt nicht nur düster aus. So verzeichnete BMW für seine neue Fahrzeuggeneration bereits über 50.000 Neubestellungen in Europa. Das wachsende Interesse an europäischen Elektromodellen nährt die Hoffnung, dass die Talsohle womöglich bald durchschritten sein könnte.
Druck auf die Arbeitsplätze
Die schwächelnden Geschäfte hinterlassen tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Beschäftigte die deutsche Automobilindustrie im Jahr 2018 noch rund 834.000 Menschen, so waren es Mitte 2026 nur noch etwa 691.500. Allein im Vergleich zum Vorjahr fielen dabei rund 42.300 Stellen weg, eine alarmierende Entwicklung.
Besonders hart trifft es die Zulieferer, die oft im Schatten der großen Marken stehen. Zwischen 2019 und 2025 verlor allein die deutsche Zulieferindustrie rund 74.000 Arbeitsplätze. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Krise längst nicht mehr nur einzelne Konzerne betrifft, sondern eine ganze Wertschöpfungskette erfasst hat.
Der Aufstieg der neuen Konkurrenz
Während die etablierten Hersteller kämpfen, drängen neue Anbieter mit Macht auf den Markt. In der Schweiz etwa, die als Indikator dienen kann, erreichte der chinesische Hersteller BYD seit dem Frühling 2025 bereits einen Marktanteil von rund 3 Prozent, und chinesische Marken kommen zusammen inzwischen auf über 10 Prozent.
Ausblick
Die deutsche Autoindustrie steht damit an einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Geschichte. Um ihre führende Rolle zu verteidigen, muss sie schneller, günstiger und mutiger werden, gerade im Bereich der Elektromobilität. Die kommenden Monate werden zeigen, ob den Traditionsmarken die dringend nötige Aufholjagd tatsächlich gelingt.





